Das Fenster zum Kosmos

Leonardo da Vinci erforschte Körper, entwarf futuristische Geräte und malte das populärste Gemälde der Welt. Wie wurde er ein solches Universalgenie?

Gemälde des italienische Künstlers ­Cesare ­Maccari, das die Entstehung der Mona Lisa zeigt.
Der italienische Künstler ­Cesare ­Maccari (1840–1919) verlieh der Entstehung des Auftragswerks Ausdruck („­Leonardo da ­Vinci malt ­Mona ­Lisa“, 1863). Foto: DeAgostini/Getty Images

„Pardon, heute nur mit Reservierung.“ So wird es ab 2031 allen ergehen, die das berühmteste Gemälde der Welt im Original betrachten möchten. Frankreichs Präsident ­Emmanuel ­Macron hat entschieden, für ­Leonardo da ­Vincis „Mona Lisa“ einen neuen Saal im Louvre bauen zu lassen – im Keller des Museums und mit eigenem, separatem Eingang. Alle Besucher werden außerdem einen Aufpreis zahlen, wenn sie das auf Französisch als „La Joconde“ bekannte Bild sehen möchten, das verriet die amtierende Direktorin des Louvre, ­Laurence des Cars, bereits. Beide Maßnahmen seien bitter nötig, um die Zukunft des Museums zu sichern, und damit hat sie sicher recht.

Die ­Mona ­Lisa ist ein Magnet, der Massen von Menschen aus der ganzen Welt anzieht. Statt vier Millionen – wie beim letzten größeren Umbau in den 1990ern prognostiziert – strömen heute jedes Jahr neun Millionen Besucher durch die Glaspyramide des Louvre. Zwei Drittel von ihnen möchten unbedingt das geheimnisvolle Lächeln der Seidenhändlergattin aus Florenz sehen, die vor einem halben Jahrtausend in Italien lebte. Das Aufheben, das um die ­Mona ­Lisa veranstaltet wird, ähnelt einem Kult. Dass es noch immer viele gute Gründe gibt, sich mit dem Gemälde und seinem Schöpfer zu beschäftigten, unterstreicht im April eine zweiteilige ARTE-Dokumentation. Der US-amerikanische Filmemacher Ken Burns porträtiert – zusammen mit Tochter ­Sarah Burns und dem Co-Autor ­David ­McMahon – darin ­Leonardo da ­Vinci als Künstler und Universalgelehrten und zeigt: Beide Rollen hängen eng miteinander zusammen.

Leonardo da Vinci

2-tlg. Porträt

Samstag, 19.4. —
20.15 Uhr
bis 17.7. in der
Mediathek

 

 

Eine Menschenmasse steht im Museum Louvre vor dem weltbekannten Gemälde
Die ­„Mona ­Lisa“ ist ein Magnet, der Massen von Menschen aus der ganzen Welt anzieht. Foto: picture alliance/Hans Lucas

Leonardo da Vinci wurde 1452 als uneheliches Kind eines Notars in der Nähe von Florenz geboren. Er wuchs in der Stadt Vinci (daher der Name) in einer intakten Patchwork-Familie auf, konnte aber wegen seiner außerehelichen Geburt kein Notar werden. Stattdessen befasste sich schon der ganz junge ­Leonardo mit allem, was sein Interesse erregte. In für seine Zeit ungewöhnlichem Ausmaß hielt er eigene Gedanken, Beobachtungen, Berechnungen und Zeichnungen in Notizbüchern fest. Ähnlich wie heute in den Weiten des Internet vermischen sich in ­Leonardo da ­Vincis Notizbüchern unterschiedlichste Interessen. Themen verzweigen sich, werden liegen gelassen und wieder aufgegriffen, ohne dass es je zu einem abgeschlossenen Zustand käme – der Mann hatte sozusagen immer Hunderte Tabs offen.

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